Eine Fotografin wird zur Aktivistin

12 April 2021
Erstmals werden die Bilder der in Neuchâtel geborenen Fotografin Claudia Andujar in der Schweiz gezeigt.
Credits: Claudia Andujar, Yanomami in the construction work of the North Perimeter Highway, 1975

Die in São Paulo lebende Fotografin Claudia Andujar, geboren 1931 in Neuchâtel, fokussiert in ihrer Arbeit seit über vier Jahrzehnten auf die indigene Gemeinschaft der Yanomami im Amazonas im nördlichen Teil Brasiliens und in Venezuela. Als der Lebensraum der Yanomami in den 1970er-Jahren akut von aussen bedroht war, wurde die Fotografin zur Aktivistin und begann, sich für die Rechte der Gemeinschaft einzusetzen. Sie hat bei den Yanomami gelebt und das Gebiet gemeinsam mit ihnen ausgiebig bereist.

„Meine tiefe Verbundenheit mit der Fotografie entstand eigentlich durch diese Reisen“, sagt Andujar in einem Gespräch mit Thyago Nogueira, Kurator am Instituto Moreira Salles in Brasilien. Nogueira kuratierte Andujars Ausstellung „Der Überlebenskampf der Yanomami“, die im Oktober im Fotomuseum Winterthur in Kooperation mit CULTURESCAPES eröffnet wird.

Die Ausstellung spiegelt die beiden untrennbaren Aspekte von Andujars Arbeit: den ästhetischen und den politischen. Angesichts der Covid-19-Pandemie und der Goldgräberei, die von der Regierung Bolsonaro toleriert wird, ist der Lebensraum der Yanomami weiterhin bedroht. „Ich hoffe, alle Besucher*innen der Ausstellung  verstehen, wie wichtig die Einsicht ist, dass die menschliche Kultur aus verschiedenen Kulturen besteht und dass das respektiert werden muss. Ich halte das für elementar“, sagt die Fotografin.

Claudia Andujars experimenteller Umgang mit verschiedenen Farbtechniken wie auch mit klassischer Schwarz-Weiss-Porträtfotografie unterscheidet sich radikal vom dokumentarischen
Stil ihrer Zeitgenoss*innen. Claudia Andujars Werk wird zum ersten Mal in einem Museum in der Schweiz gezeigt und ist als internationale Kooperation mit dem Instituto Moreira Salles, der Fondation Cartier in Paris, der Triennale Milano und der Fundación MAPFRE in Madrid angelegt.

Darüber hinaus wird im Rahmen von CULTURESCAPES 2021 Amazonas und als Antwort auf die Ausstellung in Winterthur eine zweite Ausstellung im Kunsthaus Baselland mit dem Titel "Inside the Amazon" weitere Teile des Werks von Claudia Andujar zeigen, den Norden Brasiliens erkunden und verschiedene Formen und Wege der aktiven Teilhabe verhandeln.

Ausserdem

Festival
13 April 2021

Ausschreibung "Quilombo"

CULTURESCAPES beteiligt sich am trikontinentalen Projekt "Quilombo", das Künstler*innen aus Brasilien, dem Kongo und der Schweiz Atelierstipendien bietet.
Festival
13 April 2021

Atelierstipendium in Basel

In Zusammenarbeit mit LABVERDE schreibt CULTURESCAPES ein dreimonatiges Atelierstipendium für weibliche und LGBTQIA+-Künstler*innen aus dem Amazonasgebiet aus.
Theater
13 April 2021

Der Mond im Amazonas

Umweltzerstörung, Aneignung von Regenwaldgebieten, Morde – sind das Zeichen einer neuen Kolonisierung? Die neuste Produktion von Mapa Teatro geht unbequemen Fragen nach.
Kunst
12 April 2021

Eine Fotografin wird zur Aktivistin

Erstmals werden die Bilder der in Neuchâtel geborenen Fotografin Claudia Andujar in der Schweiz gezeigt.

Ausserdem

Newsletter abonnieren