Miloš Forman «Die Liebe einer Blondine (Lásky jedné plavovlásky)»

Eine hübsche Blondine trifft einen jungen Pianisten, zusammen verbringen sie eine glückliche Liebesnacht. Doch als sie die Affäre ernster nimmt als er und unangemeldet bei seinen Eltern auftaucht, sind alle entsetzt.
Credits:

«Andula arbeitet in der Schuhfabrik von Zruč und lebt zusammen mit den anderen jungen Frauen ihrer Abteilung im lokalen Wohnheim. Die Wochenenden in dieser nicht allzu weit von Prag entfernten Kleinstadt sind todlangweilig; romantische Begegnungen finden höchstens in den Köpfen der Arbeiterinnen statt. Doch dann wird von der Betriebsleitung ein Tanzabend mit den Angehörigen eines Reservistenbataillons organisiert. Im Gegensatz zu ihren Freundinnen findet Andula die mittelalterlichen Männer abstossend – und macht stattdessen dem Pianisten der Tanzkapelle schöne Augen.»
Kino Xenix Zürich, Dezember 2016
 
«Formans zweiter Film ist ein kleines Glanzstück. Die Geschichte ist wegen ihrer Einfachheit schon fast klassisch: Eine hübsche kleine Blondine trifft einen jungen Pianisten, zusammen verbringen sie eine glückliche Liebesnacht. Doch als sie die Affäre ernster nimmt als er und unangemeldet bei seinen Eltern auftaucht, sind alle entsetzt. Er sieht sich in der Falle, sie fühlt sich verraten, und die Eltern bekommen beide Seiten nacheinander mit – am Ende weiss niemand mehr, was er denken soll, weil sich niemand mehr nach irgendwelchen Regeln verhält. (…) Forman setzt grösstenteils Laiendarsteller ein, lässt sie improvisieren, verfeinert dann, formt und perfektioniert alles und erreicht so etwas unbeschreiblich Exaktes, Berührendes und Lustiges.»
Tom Milne, Time Out Film Guide
 
«Als ich Mitte der 80er-Jahre mit Dokumentarfilmen anfing, entdeckte ich, wie man die Realität nicht nur beobachten, sondern auch formen kann. Zu diesem Zeitpunkt habe ich mich in die Tschechoslowakische Neue Welle verliebt. Also Forman, Passer, Nemec. Mein Lieblingsfilm aus dieser Zeit ist wahrscheinlich Die Liebe einer Blondine, der die Welt ohne Agenda, Rhetorik oder Plot-Mechanik, aber mit viel Empathie und Ironie betrachtet. Er beweist, dass, wenn man ein gutes Gespür für das Casting hat und weiss, wohin man die Kamera stellen muss und wann man gerade nicht schneiden sollte, die gewöhnlichsten Dinge zu etwas Poetischem und Zeitlosen erhoben werden können.»
Paweł Pawlikowski

 

Die Liebe einer Blondine (Lásky jedné plavovlásky), Miloš Forman, CSSR 1965 90 Min. sw. DCP. CS/d

Im Rahmen der Paweł Pawlikowski Retroperspektive vom 1. - 30.11. im Stadtkino

 

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